Presse
09.02.2018, 16:52 Uhr
Entwässerung der nördlichen Felder in Oberrad – konstruktive Lösung zeichnet sich ab
 Verständlicherweise ist die Problematik im Hinblick auf die Entwässerung der nördlichen Felder in Oberrad mit Emotionen behaftet – schließlich geht es bei einigen Gärtnereibetrieben schlichtweg um die Existenz. Auch Christian Becker, Vorsitzender der CDU Oberrad, hat sich dieser Thematik angenommen und in seiner Funktion als Stadtverordneter für Oberrad eine Anfrage in die Fragestunde der letzten Stadtverordnetenversammlung eingebracht, deren Beantwortung erste Lösungsansätze aufzeigt und eine gemeinsame Besprechung der Stadtentwässerung Frankfurt (SEF) mit den örtlichen Gärtnereibetrieben ankündigt. So ist es erfreulich, dass in dem gestrigen Treffen in der Gärtnerei Schecker in Oberrad mögliche Lösungsansätze zwischen den Mitarbeitern der SEF, den zahlreich erschienenen Oberräder Gärtnern sowie Vertretern der Wirtschaftsförderung Frankfurt, des Gartenbauverbandes Baden-Württemberg-Hessen und der CDU Oberrad diskutiert wurden.
Christian Becker & Susanne Reichert
 

„Auch in früheren Jahren stand nach starken Regenfällen mal Wasser auf den Feldern, aber über das damals noch intakte Drainagesystem, das zweimal jährlich gereinigt wurde, lief das Wasser innerhalb weniger Tage ab “, erklärt Rainer Schecker. „In den letzten Jahren sind jedoch große Teile der Felder kaum noch zu bewirtschaften, weil sie buchstäblich vom Herbst bis zum nächsten Frühjahr unter Wasser stehen. Die Funktionalität der Entwässerungsgräben ist einfach nicht mehr gewährleistet.“

 

Dem Ernst der Lage wird auch seitens der SEF Rechnung getragen und so stellten Dipl.-Ing. Roland Kammerer und Oberamtsrätin Stefanie Toth angedachte Maßnahmen vor. Vorrangig soll in den nächsten Wochen die Reinigung der Entwässerungskanäle durchgeführt werden, um so einen Abfluss des Wassers aus den Feldern und Gewächshäusern zu ermöglichen. Dass die SEF dafür mit leichten Gerätschaften Zugang zu den Grundstücken der Gärtnereibetriebe haben muss, ist für die Gärtner das geringste Problem.

 

Problematisch wird es eher im Hinblick auf einer längerfristige Lösung. Gemäß einer Novellierung des Hessischen Wasserschutzgesetzes (HWG), die die Verbesserung der natürlichen Entwicklung oberirdischer Gewässer in den Vordergrund stellt und eine Reduzierung der stofflichen Belastungen aus der Bewirtschaftung der an Gewässer angrenzenden Flächen vorsieht, muss künftig ein 5 Meter breiter Randstreifen auf beiden Seiten eines Gewässers angelegt werden, in dessen Bereich der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie der eines Pflugs untersagt ist. Um ein Gewässer handelt es sich auch bei den künstlich angelegten Entwässerungsgräben in den Oberräder Feldern. Ein solcher Randstreifen mit Uferböschung wäre außerdem auch nötig, um der SEF dauerhaft den Zugang zu den Gräben zwecks Pflege und Reinigung zu ermöglichen.

 

 

Bei dem verzweigten Grabensystem bedeutet dies jedoch an manchen Stellen einen erheblichen Landverlust für die Gärtnereien und damit verbundene, wirtschaftliche Einbußen. Es ist zu prüfen, ob in manchen Abschnitten die Verbindungen der einzelnen Kanäle so verändert werden kann, dass kleinere Gräben, die mitten durch die Felder verlaufen, zugeschüttet werden und man den Abfluss des Wassers auf einen breiteren, parallel zu einem der Wirtschaftswege verlaufenden Schacht konzentriert, da dieser ohnehin auf der Wegseite zugänglich ist und landwirtschaftlich unbenutzt bleibt.  

 

Auch der Naturschutz erschwert den notwendigen Reinigungsturnus zu bestimmten Jahreszeiten, da beispielsweise in der Brutzeit in den Bereichen um die Kanälen nur sehr eingeschränkt gearbeitet werden darf. Eine gründliche Reinigung wäre somit nur in den Monaten Oktober bis Dezember möglich, was jedoch kaum ausreicht, um das sensible System dauerhaft intakt zu halten.

 

„Natürlich ist der Naturschutz ein wichtiges Thema“, betont Susanne Reichert, Pressesprecherin der CDU Oberrad. „Allerdings darf das auf Flächen, die seit jeher landwirtschaftlich genutzt werden, nicht soweit gehen, dass die Betriebe vor dem Aus stehen. Der Erhalt der Gärtnereibetriebe in Oberrad ist für uns ein wichtiges Anliegen. Diese sind oftmals schon seit Generationen in Familienbesitz und stellen einen wesentlichen Bestandteil unserer Stadtteilkultur dar. Mit den seitens der SEF vorgestellten Maßnahmen wurde Schritt in die richtige Richtung getan, um sicherzustellen, dass die Betriebe ihre Felder wieder einer erfolgreichen, gärtnerischen Nutzung zuführen können. Jetzt hoffen wir auf eine zeitnahe Umsetzung.“